Der Australian Shepherd  
Der Farmhund aus Amerika stammt von vielen verschiedenen Hütehunden ab. Dort ist alles größer und weiter: sehr viel größere Herden und weitere Weideflächen. Der Australian Shepherd ist ein Treibhund, der hart und ausdauernd arbeitet und für alle Aufgaben auf der Farm gewappnet ist. Dazu gehört auch eine Wach- und Schutzfunktion. Er muss sich gegen die halb wild lebenden Rinder durchsetzen. Ein kraftvoller, intelligenter Hund, der selbständig entscheiden kann, ist hier gefragt. Bei der Arbeit an so vielen und so schwierigen Tieren braucht der Farmer einen Hund, der weiß was zu tun ist.

In den 1950er-Jahren begeisterten die ersten Shepherds auf Rodeos das Publikum. Ihr hübsches Aussehen in attraktiver Farbenvielfalt, das pflegeleichte Haarkleid, die handliche Größe, ihr legendärer Ruf ließen sie in den letzten 10 Jahren auch bei uns in Mode kommen.

Es zeigte sich aber, dass die Aussies keineswegs die idealen Familienhunde sind, für die man sie gehalten hat. Auch sieht man sie weniger unter den Top-Wettkampfsportlern als den Border Collie. Der Aussie ist ein selbständiger und eigenwilliger Hund. Ihn auf den Punkt genau zu trainieren erfordert einen sehr fähigen Ausbilder, der seinen Hund optimal zu motivieren weiß.

Der Aussie ist ideal für Menschen, die viel mit ihrem Hund unternehmen wollen. Er läuft unermüdlich am Pferd, Rad oder beim Joggen. Apportieren, Schwimmen, Kunststücke lernen - alles tut er mit Begeisterung. Wetter ist für ihn kein Thema. Er ist nach wie vor ein sehr arbeitsfreudiger Hund, der keine Langeweile kennt. Der Aussie braucht eine klare Führung wie jeder Hund, aber er stellt sie auch immer wieder in Frage. Ein Hund, der sich gegen eine Rinderherde durchsetzen muss, ergreift Initiative. Ein Mensch, der ihm nicht kompetent erscheint, hat bei ihm keine Chance, dann macht er sein Ding. Die Erziehung des Aussie erfordert eine starke Persönlichkeit, die aber nicht nur verlangt, sondern dem Hund auch etwas bietet. Zwang und Drill sind dem Aussie zuwider. Vom Aussie sagt man, er macht alles, aber zu seinen Bedingungen oder gar nicht. Er braucht eine Kameradschaft, die erfolgreiche Zusammenarbeit verspricht. Dann ist er zufrieden.

Der Aussie ist sehr territorial, d.h. er bewacht sein Grundstück und seine Menschen und kann durchaus aggressiv werden. Auch aus diesem Grund ist eine klare Führung absolut notwendig. Nicht umsonst werden immer wieder Aussies in Tierheimen oder Notvermittlungsstellen abgegeben. In den meisten Fällen waren die Besitzer überfordert, der Hund übernahm das Kommando und setzte sich auch mit den Zähnen durch. Es gibt aber auch Fälle, wie wir sie beim Border Collie kennen, in denen einfach wahllos gezüchtet und das Wesen nicht bedacht wurde. Das sind leider die negativen Auswüchse aller populären Rassen.

Quelle: "Das deutsche Magazin - HUNDE" - Ausgabe 10-2008

 

Natürlich kann man nicht alle Aussies über einen Kamm scheren, denn so viele Varianten die Fellfarbe zu bieten hat, gibt es auch sehr unterschiedliche Charaktere unter den Hunden. Außerdem entwickelt sich die Zucht des Australian Shepherds in zwei Bahnen. Zum einen die Hüte- und Arbeitslinien, die noch die recht ursprünglichen Eigenschaften des "alten, amerikanischen Farmhundes" haben und zum Anderen die Showlinie, die natürlich auch agile, sportliche und arbeitsfreudige Hunde züchtet, aber in einer etwas abgemilderten Variante des hütenden Arbeitstieres.